03.08.2020

Was das ENDERA Interim-Management so

erfolgreich macht?

 

Ein Interview mit dem ENDERA-Manager

Ingo Breitmeier.

 

 

Herr Breitmeier, seit wann sind Sie als ENDERA-Interim-Manager tätig?

Seit März 2018.

 

Könnten Sie uns kurz erklären, wie sich das Dreiecksverhältnis zwischen Krankenhausträger – ENDERA-Gruppe und Interim-Manager gestaltet? Wie ist das vertragliche

Grundkonstrukt?

 

Das ist zunächst das ganz übliche Konstrukt eines Geschäftsbesorgungsvertrags, so wie man ihn im Krankenhauswesen und auch in anderen Branchen kennt. ENDERA, genauer gesagt die ENDERA Interim-Management GmbH, schließt mit dem jeweiligen Krankenhausträger einen Vertrag über die Übernahme der Geschäftsbesorgung für das Krankenhaus. „Die Geschäfte besorgen“ bedeutet Verantwortung übernehmen für den strategischen und operativen Krankenhausbetrieb. Hierfür wird von ENDERA eine natürliche Person – in diesem Fall ich -benannt, die für die ENDERA vor Ort die Aufgaben der Geschäftsführung bzw. des Vorstands wahrnimmt und die in dieser Funktion auch als verantwortliche Person in das Handelsregister eingetragen wird. Zwischen ENDERA und mir wiederum besteht ein Anstellungsverhältnis.

Neben der Gestellung eines Geschäftsführers bzw. Vorstands beinhaltet der Geschäftsbesorgungsvertrag aber auch den – im Umfang genau definierten bzw. budgetierten – jederzeitigen Zugriff auf die Krankenhausexperten der ENDERA.

In der Regel sind solche Verträge zwar befristet, haben aber mindestens eine Laufzeit von zwei Jahren. Nur dann ist es möglich, in einem Krankenhaus auch grundlegende Strukturveränderungen umzusetzen, die eine dauerhafte und nachhaltige Wirkung erzielen.

 

Was hat Sie damals persönlich an der Position eines Interim-Managers gereizt?

Welche Erwartungen hatten Sie? Und hat Sie nicht die Befristung des Vertrags

abgeschreckt?

 

Lassen Sie mich bei Ihrer letzten Frage anfangen. Die Position eines Interim-Managers ist heutzutage am Krankenhausmarkt gar nicht mehr so unüblich und das war sie auch im Jahr 2018 schon nicht mehr. Man muss bedenken, dass Geschäftsführungs- oder Vorstandspositionen in der Regel ohnehin befristet sind, so dass die Befristung an sich für mich nichts Ungewöhnliches war. Die Dauer der Befristung bzw. die kurze Laufzeit und die damit verbundenen persönlichen Risiken sind selbstverständlich nicht von der Hand zu weisen. Als Interessent für eine solche Position sollte man daher gut darüber nachdenken, ob dieses Vertragsmodell in die jeweils aktuelle Lebenssituation passt und dort abbildbar ist. Das war es aber für mich. 10 Jahre früher in meinem Berufsleben hätte ich das ggf. noch anders beurteilt.

Für mich war die Zusammenarbeit mit einer Unternehmensberatung und die gemeinsame Bewerbung um einen Geschäftsbesorgungsvertrag – als Teil eines Teams – eine neue spannende Herausforderung, die mich gereizt hat. Aber auch die Möglichkeit, nach einer langjährigen Tätigkeit für private Klinikträger ein kommunales Krankenhaus zu leiten und meine Erfahrungen aus dem privaten Sektor dort einzubringen, hat mich sehr angesprochen.

Ich hatte von Anfang an ein sehr freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis zu den Ansprechpartnern der ENDERA. Das ist sicher eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tätigkeit. Ich kann nur Teil eines Vertragskonstrukts sein, wenn ich mit allen Vertragsparteien gerne zusammenarbeiten möchte und diese als professionelle und verlässliche Partner an meiner Seite empfinde, egal ob ENDERA oder Krankenhausträger. Und das war in 2018 bei mir der Fall.

 

Wie ist die Rollenteilung zwischen ENDERA und Ihnen in der Praxis, d.h. im täglichen Krankenhausmanagement?

 

Vor Ort führe ich natürlich die Geschäfte des Krankenhauses im Tagesbetrieb alleine. Hier habe ich häufiger Berührungspunkte mit dem Gesellschafter bzw. dessen Gremien, als mit den Kollegen von ENDERA.

Die Kollegen von ENDERA begleiten meine Tätigkeit aber u.a. kontinuierlich in Gestalt eines sehr klugen und übersichtlichen Managementberichtswesen, das sowohl mir als auch dem Träger die jederzeit notwendige Transparenz über die Situation des Krankenhauses verschafft. Wir – das ENDERA-Team – treffen uns außerdem regelmäßig zu Jour Fixe Gesprächen vor Ort und diskutieren die aktuellsten Berichte, insbesondere Erlös-, Kosten- und Leistungsentwicklungen sowie mögliche Strategien und Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Hauses Je nach Bedarf kann ich die ENDERA Experten für die Erstellung vertiefender Konzepte einbinden, z.B. zur medizinischen Strategieentwicklung, für Betriebsorganisationskonzepte oder bauliche Konzepte. Aber auch als Unterstützer z.B. im Bereich Finanzbuchhaltung oder Medizincontrolling. Hierbei ist es sehr hilfreich, dass ENDERA so breit aufgestellt ist, d.h. Experten in allen relevanten Krankenhausbereichen beschäftigt, von Ökonomen über Pflegekräfte, Ärzte, Medizincontroller, Juristen bis hin zu eigenen Architekten und Ingenieuren.

Auch wichtige Gespräche mit dem Krankenhausträger zu grundlegenden Entscheidungsbedarfen führen wir gemeinsam, die ENDERA-Experten und ich.

 

Wenn Sie heute zurückblicken: Haben sich Ihre Erwartungen an die Zusammenarbeit mit ENDERA erfüllt? Welche Unterstützung empfinden Sie für Ihre Managementaufgabe vor Ort als besonders wertvoll?

 

Meine Erwartungen haben sich voll erfüllt. Dürfte ich jetzt eigentlich überhaupt etwas anders sagen? – Scherz beiseite: wenn ich nicht so zufrieden wäre, sowohl mit der Zusammenarbeit mit ENDERA als auch im Zusammenspiel mit dem Krankenhausträger, hätte ich meinen Vertrag nicht noch einmal um ein Jahr verlängert.

Als besonders wertvoll empfinde ich das angesprochene Managementberichtswesen und die regelmäßigen Jour Fixe mit den Kollegen. Beides hebt meinen Blick weg vom operativen Tagesgeschäft und hilft mir, notwendige strategische Entscheidungen voranzutreiben. Beides möchte ich daher auch in der Zukunft nicht mehr missen!

 

Wie tragen Sie bzw. ENDERA dafür Sorge, dass keine Abhängigkeit des Krankenhauses von dem „Dritten“ entsteht, sondern dass das Krankenhaus auch nach einem Vertragsende gestärkt aus der Interimsphase hervorgeht?

 

Im Unterschied zu anderen Anbietern am Markt gestellt ENDERA keine Managementassistenz für die Geschäftsführung bzw. den Vorstand vor Ort. Sondern ich arbeite vor Ort mit dem Personal des Krankenhauses zusammen. Je nach Bedarf unterstützen die ENDERA Experten die leitenden Mitarbeiter im Bereich Verwaltung und Management durch ein Training-on-the-Job. Der Vorteil für das Krankenhaus bzw. den Krankenhausträger ist, dass keine mittel- bis langfristige Abhängigkeit von ENDERA geschaffen wird, sondern auch nach Vertragsende wichtige Kompetenz und Wissen über Projekte und Entscheidungen vor Ort bleibt. Das finden wir alle wichtig, die ENDERA-Kollegen und ich.

 

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht eine ENDERA- Interim-Geschäftsführung von einem Geschäftsführer in Festanstellung?

 

Als fest angestellter Geschäftsführer ist man mehr oder weniger eine „Stand-Alone“ Lösung vor Ort. Man hat nur wenig fachlichen Austausch auf Augenhöhe. Auch wenn die Mitarbeiter des Krankenhauses natürlich oftmals über sehr hohe Fachkompetenz verfügen – es ist und bleibt ein Gespräch von Chef zu Mitarbeiter, hier ist man niemals so offen und auf Augenhöhe wie zwischen den ENDERA Kollegen und mir. Aus dem ENDERA-Team heraus bekomme ich auch einmal „Gegenwind“ und Widerspruch. Wir diskutieren viel und hart, aber am Ende stehen dann Lösungen, die belastbar sind und von vielen Seiten fachlich durchdacht. Jede Seite traut sich zu sagen, wenn sie Bedenken hat und der andere nimmt dies jeweils an und wischt es nicht vom Tisch.

 

Warum und in welchen Situationen sollte sich ein Krankenhausträger Ihrer Meinung nach für ein solches Modell entscheiden?

 

Ein Krankenhausträger sollte sich aus meiner Sicht insbesondere in Umbruchzeiten und Zeiten der wirtschaftlichen Sanierung für ein solches Modell entscheiden. U.a. auch dann, wenn ggf. noch nicht klar ist, ob das jeweilige Krankenhaus tatsächlich langfristig am Gesundheitsmarkt bestehen kann. Diese Frage stellen sich ja derzeit viele Krankenhäuser in Deutschland.

Sowohl für ENDERA als auch den eingesetzten Geschäftsführer oder Vorstand – in dem Fall für mich – ist jederzeit klar, dass die Aufgabe befristet ist. Das führt dazu, dass man nicht so viele emotionale Verbindungen eingeht und mehr mit dem Verstand entscheidet als mit dem Herzen…zumindest versuche ich das immer wieder, auch wenn zugegebenermaßen zwei Jahre schon reichen, damit einem ein Krankenhaus und die Mitarbeiter ans Herz wachsen.

Auch wenn bei einem Krankenhausträger Fusions- oder Verkaufsüberlegungen im Raum ständen wäre es sicher sinnvoll, einen Interim-Manager einzusetzen, der neutral und frei von Eigeninteressen die Überlegungen des Trägers konstruktiv begleitet und am Ende auch das Stühlchen räumt, wenn die Fusion oder der Verkauf abgeschlossen ist und die Position entweder entfällt oder neu besetzt werden soll. Nicht selten scheitern Zusammenschlüsse ja bereits an genau diesem Punkt – zwei Geschäftsführer, die zusammen nicht entscheidungsfähig sind und jeweils nur im Interesse des eigenen Hauses denken, von denen aber jeder an seinem Posten festhält.

 

Im Zusammenhang mit Interim-Management liest man in der Presse oftmals von Verträgen die zu einem großen Teil auf einer erfolgsabhängigen Vergütung aufbauen. Halten Sie solche Modelle für sinnvoll?

 

Hierzu ein ganz klares Nein! Sowohl ENDERA als auch ich persönlich lehnen solche Modelle grundsätzlich ab, zumindestens dann, wenn die erfolgsabhängige Vergütung ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtvergütung ist.

Gerade in den letzten Tagen war wieder in der Presse zu lesen, dass ein Krankenhausmanager zugunsten seiner Boni über viele Jahre die Ergebnisse in die Höhe getrieben hat, in dem notwendige Investitionen nicht getätigt wurden und der Personalkörper zu knapp besetzt war.

Wenn sich ein Krankenhaus in einer Krisen- oder Umbruchphase befindet, ist es manchmal ganz im Gegenteil notwendig gerade nicht zu sparen, sondern – unter Beachtung von Kontokorrentlinien und Liquidität – für ein, zwei oder auch drei Jahre zu investieren, um später langfristig erfolgreich zu sein. Hier muss die Priorität darauf liegen, das Krankenhaus zukunftsfähig aufzustellen und nicht, den eigenen Geldbeutel möglichst voll zu machen. Hohe erfolgsabhängige Vergütungen schaffen hier aus meiner Sicht ganz klare Fehlanreize!

 

Einmal Interim-Manager immer Interim-Manager?

 

Es kommt sicher immer auf das jeweilige Krankenhaus an und die Situation, in der es sich befindet. Erst wenn ich diese kenne kann ich beurteilen, welche Rolle – Interim-Manager oder fest angestellter Manager – ich bevorzugen würde. Grundsätzlich haben aber beide Modelle für mich ihren Reiz.

 

 

Vielen Dank für Ihre Zeit und die wertvollen Einblicke in Ihre Tätigkeit als ENDERA-Interim-Manager.

Ansprechpartner

ENDERA-GRUPPE
Kompetenz im Gesundheitswesen
Stephanie Dreher
ENDERA Interim-Management GmbH
Wilhelmstraße 26
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